Wohnen umsonst
Mit Häuserkämpfen wurde in Freiburg im Frühjahr 2004 ein Kampf für kostenlosen Wohnraum geführt. Bei uns haben Häuserkämpfe eine lange Tradition, denn sie sind ja bekanntlich typisch für Freiburgs südlichen Lebensstil.
Feiern umsonst
Bereits im Juli 2003 gabe es das freie Technofestival Southtek 2003. Konnte damals noch eine Woche umsonst auf einem besetzten ehemaligen Fabrikgelände gefeiert werden, wurde das Southtek 2004 im Juli 2004 von Bullen verhindert. Während des Veranstaltungsverbots in der KTS wurden diverse Konzerte umsonst in der Innenstadt veranstaltet, so zum Beispiel auf dem Augustinerplatz, auf dem Platz der alten Synagoge und unter der Stühlingerbrücke.
Shoppen umsonst
Im April 2004 wurde der Umsonstladen Freiburg in der KTS eröffnet. Er präsentierte sich unter anderem auf dem Aktionstag für die KTS in der Innenstadt, an dem es auch ein Umsonstbüffet auf der blauen Brücke gab. Die Idee der Umsonstläden wird beim Umsonstladen Berlin näher erläutert.
Baden umsonst
Seit 2003 gibt es die Aneignungskampagne, die in der arranca! Nr. 28 und arranca! Nr. 29 beschrieben wurde. In Freiburg wurde versucht, diese Idee Anfang November 2004 in einer spontanen direkten Aktion umzusetzen, doch die erste Umsonstaktion ging baden. Das folgende Flugblatt rief zur zweiten Umsonstaktion auf: umsonst.pdf. Hier ist der Text des Flugis:
Freiburg umsonst. Heute: Hallenbad.
Sonntag gehen wir baden. Und zwar umsonst. Treffpunkt ist am 14. November 2004 um 14 Uhr am Platz der alten Synagoge.
Die Linke muss die richtigen Mittel finden, um die konformistische und korrumpierte Welt der politischen Sprache und des politischen Verhaltens aufzubrechen. Sie muss das Bewusstsein und das Gewissen der anderen wachrütteln. Das Ausbrechen aus dem Sprach- und Verhaltensmuster der korrupten politischen Welt - einem Muster, das jedem politischen Handeln aufgestülpt wird - ist eine fast übermenschliche Aufgabe. Sie setzt eine fast übermenschliche Vorstellungskraft voraus. Wir müssen uns bemühen, eine Sprache zu finden und Aktionen zu organisieren, die nicht zum gewohnten politischen Verhaltensrepertoire gehören, die vielleicht mitteilen können, das das, was hier am Werk ist, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Zielsetzungen sind, die sich noch nicht - und, wie ich hoffe, niemals - vereinnahmen lassen.
Für das Establishment und für die Rationalität des Establishments wird ein solches Verhalten närrisch, kindisch und irrational wirken. Aber das kann durchaus der Beweis dafür sein, dass es sich hier um den Versuch - um den zumindest zeitweise erfolgreichen Versuch - handelt, den repressiven Zusammenhang des besteheneden politischen Verhaltens zu überschreiten und zu durchbrechen.
Herbert Marcuse, 1968
Wir wollen der Irrationalität des kapitalistischen Systems unsere Rationalität entgegensetzen. Wir wollen alles! Wir wollen für einen kurzen Moment die Normalität des Konsums durchbrechen und das Undenkbare denkbar machen. Alles für alle!
Die Bande der faulen Freischwimmer, 2004
Fahren umsonst
Es kam zu einer zweiten Umsonstaktion, bei der für das Grundrecht auf Mobilität gekämpft wurde. Das folgende Flugblatt wurde bei der Schwarzfahraktion verteilt: freiefahrt.pdf. Hier ist der Text des Flugis:
Freie Fahrt für alle!
Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist ein allgemeines Grundbedürfnis. JedeR braucht sie, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Trotzdem kosten Busse und Bahnen Geld. Viele Menschen werden durch die Fahrpreise von der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs ausgeschlossen. So wird Fortbewegung ein Luxus für die, die es sich leisten können.
Schwarzfahren stellt hierzu eine attraktive Alternative dar. Seit vielen Jahren pflegen Menschen auf der ganzen Welt und jeden Alters diese Tradition. Sie nehmen sich, was ihnen vorenthalten wird, und sie haben Recht damit. Nehmen wir uns, was wir brauchen. Alles für alle, und zwar umsonst!
Verhaltensregeln, die das Leben erleichtern:
1. Suchen Sie im Falle einer Kontrolle immer so lange wie möglich nach Ihrem Fahrschein.
2. Wenn Sie einen Kontrolleur oder eine Kontrolleurin sehen, machen Sie durch lautes Rufen auf die Gefahr aufmerksam!
3. Schützen Sie SchwarzfahrerInnen, indem Sie den KontrolleurInnen den Weg versperren.
4. Machen Sie SchwarzfahrerInnen den Weg frei!
Die Bande der faulen Freifahrer
Repression umsonst
Ende 2004 kommt es zu verstärkten Repressionen gegen die Umsonstkampagne. Zahlreiche Gerichtsverfahren gegen HausbesetzerInnen sowie gegen einen Organisator des Southtek-Festivals enden mit Verurteilungen zu hohen Geldstrafen. Am 8. Dezember 2004 machte die politische Polizei eine Hausdurchsuchung bei einer linken WG. Als Grund gab sie an, nach dem Flugblatt zur Schwarzfahraktion zu suchen. Reagiert wurde mit einer Antirepressionsdemo, bei der La Banda Vaga einen Redebeitrag zur Thematik der Aneignung hielt.
Zeitung umsonst
Anfang 2005 droht der Badische Verlag der Antifa Freiburg mit einer Urheberrechtsklage, sollte sie die gespiegelten Artikel aus der Badischen Zeitung und dem Sonntag nicht von ihren Seiten nehmen. Daraufhin gründet sich ein Medienkollektiv Zeitung Freies Baden, das die Veröffentlichung der Artikel übernimmt - anonym und umsonst.